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Ein Fell für Zwei

Teil 1: Homeoffice

Unsere Freunde und Kollegen klagen in Coronazeiten gern, ihnen würde die Decke auf den Kopf fallen, das dauernde Homeoffice sei nicht auszuhalten, sie fühlten sich wie Eremiten in einer Laptop-Klause, der Arbeitsalltag sei fad und grau. Wir empfehlen ihnen dann als Farbtupfer und Fadheitsbekämpfungsmittel, sich eine Katze – oder am besten gleich zwei – zuzulegen. Einsamkeitsattacken lindert nichts besser, als wenn Laureline den Motor einschaltet und schnurrend um deine Beine streift oder auf deinen Schoß hüpft. Sollten die Krallen noch ausgefahren sein, fühlt man sich gleich lebendiger.Die beiden Fellkugeln sorgen aber auch immer für Kommunikation. Javi liebte es, als er etwa ein halbes Jahr alt war, bei meiner Frau, einer ITlerin, über das Arbeitsgerät zu tapsen. Er verschickte dabei immer wieder mal höchst informative Mails wie „prhekgrifhgggt2“ oder „45zhuhildfbfj“, die bei den Empfängern Erstaunen auslösten und so auch diese aus dem tristen Homeofficealltag rissen, zumal sie die Aufklärung, von wem diese poetischen Zeilen stammten, durchaus spaßig fanden. Einmal hatte Angie eine wichtige Sitzung über MicrosoftTeams. Sie saß im Schlabberlook mit einer mauvefarbenen Decke, die freilich mit weißen Katzenhaaren überzogen war, vor dem Computer, als Javi mal wieder die Tastatur erkundete und dabei die Kamera einschaltete. Ob er das mit Absicht tat oder nicht, ist bei uns umstritten, einen gewissen Vorsatz unterstelle ich ihm nämlich sehr wohl. Angie hat auf jeden Fall in diesem Monat den Titel „Bestangezogene Mitarbeiter/in im Homeoffice“ nicht bekommen.Laureline hingegen liebt mein wichtigstes Arbeitsgerät. Ich hoffe, ich rühre bei keinem Leser an ein Kindheitstrauma, aber es ist der Rotstift. Ich bin nämlich Deutschlehrer. Mein Kätzchen liebt es, in den Stabilo zu beißen, auch wenn ich gerade eine Beurteilung schreibe. Da entstehen plötzlich Zick-Zack-Linien wie bei einem EEG, was besonders dann nicht gut kommt, wenn ich bei dem Schüler (nur selten der Schülerin) das Schriftbild moniere. Manchmal legt sie sich auch auf ein Heft und bleibt liegen. Sie imprägniert es mit ihrem Duft und ihren Haaren. Bislang hatte glücklicherweise noch kein Schüler eine Katzenallergie, sonst müsste ich ihm ein neues Heft kaufen. Korrigieren ist auch eine fade und graue Tätigkeit. Aber Katzen machen sie bunter und spaßiger.

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